Teil 4 - Aus Tanzen wurde mehr

Aus ersten Schritten wurden Projekte, Begegnungen und Erfahrungen
Wenn wir heute auf fast 20 Jahre Tanz, Shows und Events in Innsbruck und Tirol zurückblicken, sehen wir weit mehr als Tanzkurse oder einzelne Veranstaltungen.
Wir sehen vor allem eine Entwicklung, die wir damals selbst nicht hätten planen können.
Als wir Ende 2006 nach Innsbruck kamen, ging es zunächst ums Tanzen. Darum, zu unterrichten, aufzutreten, Menschen kennenzulernen und unseren Platz zu finden.
Doch irgendwann wurde aus Tanzen mehr.
Aus ersten Kursen wurden neue Formate. Aus Kontakten entstanden Kooperationen. Aus kleinen Veranstaltungen wurden große Events. Und aus zwei Menschen, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hatten, wurden mit den Jahren Organisatoren, Choreografen, Vermittler, Netzwerker – und immer wieder auch Lernende.
Wenn aus einer Idee etwas Größeres entsteht
Eine der prägendsten Entwicklungen der ersten Jahre in Tirol war der Salsa Congress Austria.
Über viele Jahre hinweg durften wir Künstler, Tänzer und Tanzbegeisterte aus unterschiedlichen Ländern zusammenbringen.
Workshops, Shows, Partys und Begegnungen machten daraus weit mehr als eine Veranstaltung, die immer zu Beginn des Jahres Salser@s aus ganz Europa nach Innsbruck rief.
Tausende Menschen haben diese Kongress-Jahre miterlebt!
Für uns bedeuteten sie aber auch etwas anderes: organisieren, verhandeln, planen, improvisieren, Verantwortung übernehmen – und lernen, was es bedeutet, eine Idee vom ersten Gedanken bis zur Veranstaltung mit vielen hundert Menschen Wirklichkeit werden zu lassen.
Vieles von dem, was wir heute können und wissen, haben wir nicht aus Büchern gelernt. Wir haben es erlebt.
Tanz fand plötzlich an ganz unterschiedlichen Orten statt
Parallel dazu öffneten sich immer wieder neue Türen.
Wir arbeiteten bei Veranstaltungen und Produktionen mit, entwickelten Choreografien und Shows und waren über Jahre auch im Agentur- und Eventbereich tätig.
Tanz fand plötzlich nicht mehr nur im Tanzsaal statt.
Er führte uns auf Bühnen, zu Festivals und Veranstaltungen, in Unternehmen und Institutionen und in ganz unterschiedliche künstlerische Projekte.
Besonders prägend waren dabei auch Produktionen mit dem Landesjugendtheater Innsbruck. Dort traf Tanz auf Theater, Inszenierung und die Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Menschen und Gewerken.
Und genau solche Projekte haben unseren Blick auf unseren Beruf verändert.
Denn plötzlich ging es nicht mehr nur darum, "Schritte" zu vermitteln.
Es ging darum, Menschen zu bewegen – manchmal ganz wörtlich, manchmal weit darüber hinaus.
Wer unterrichtet, sollte selbst Lernender bleiben
Gleichzeitig war für uns immer klar: Erfahrung allein reicht nicht.
Deshalb gehörten Fortbildungen, Workshops und der Austausch mit anderen Tänzern und Lehrenden von Anfang an zu unserem Weg.
Wir reisten, trainierten, lernten unterschiedliche Stile, Methoden und Menschen kennen und stellten dabei auch unsere eigenen Vorstellungen immer wieder infrage.
Manches, von dem wir vor 15 oder 20 Jahren überzeugt waren, sehen wir heute anders. Anderes hat sich gerade durch all diese Jahre bestätigt.
Vielleicht ist genau das einer der größten Unterschiede zwischen Erfahrung und Routine:
Routine wiederholt das, was man kennt. Erfahrung verändert den Blick auf das, was man tut.
Nicht jeder Umweg war ein Umweg
Wenn man fast zwei Jahrzehnte auf wenige Seiten und einige Fotos reduziert, sieht vieles im Nachhinein erstaunlich geradlinig aus.
Das war es jedoch nicht.
Es gab Projekte, die groß wurden. Andere blieben klein. Manche Ideen funktionierten, andere nicht. Menschen kamen, begleiteten uns ein Stück und gingen wieder. Türen öffneten sich – und andere schlossen sich.
Es gab Erfolge, Enttäuschungen, Neuanfänge und Entscheidungen, die wir heute vielleicht anders treffen würden.
Aber wahrscheinlich gehört auch genau das zu diesen 20 Jahren.
Denn all diese Erfahrungen haben beeinflusst, wie wir heute arbeiten, unterrichten und auf das Tanz schauen.
Und dann stand plötzlich alles still
Es gibt Entwicklungen, die plant man. Und es gibt Momente, die alles verändern.
Die sog. "Corona-Jahre" waren für die Tanz- und Veranstaltungsbranche ein solcher Einschnitt. Plötzlich waren genau die Dinge nicht mehr möglich, von denen unsere Arbeit immer gelebt hatte: Menschen zusammenzubringen, gemeinsam zu tanzen, zu feiern, Kultur zu erleben und Begegnungen zu schaffen.
Die Lockdowns waren für uns – wie für viele andere in unserer Branche – eine herausfordernde Zeit. Vieles, was über Jahre selbstverständlich gewesen war, musste plötzlich neu gedacht werden.
Aber nachdem wir diese Zeit überstanden hatten, entstand daraus auch die Gelegenheit, noch einmal etwas Neues zu wagen.
Aus Tropical Swing wurde nicht Tropical Vista – aber aus unserer Geschichte entstand etwas Neues
Heute führt Gensil seit mittlerweile vier Jahren die Tropical Vista, unsere karibische Cocktailbar in Wattens.
Auf den ersten Blick ist eine Cocktailbar etwas völlig anderes als eine Tanzschule.
Für uns fühlt sich die Entwicklung trotzdem erstaunlich konsequent an.
Denn auch hier geht es letztlich um etwas, das uns schon viele Jahre begleitet:
Menschen zusammenzubringen und Orte zu schaffen, an denen Begegnung entstehen kann.
Und mit Tropical Vista kam noch einmal ein Bereich stärker zurück, der unsere Geschichte schon lange begleitet hatte: die Organisation von Veranstaltungen.
Heike hatte ihre Erfahrung im Eventmanagement unter anderem beim TanzSommer Innsbruck und beim OperettenSommer Kufstein eingesetzt und dabei große professionelle Veranstaltungsstrukturen kennengelernt.
Dieses Wissen, kombiniert mit den Erfahrungen aus unseren eigenen Kongressen, Shows, Produktionen und Veranstaltungen, konnten wir nun zunehmend in eigene Projekte einfließen lassen.
Von der Tanzveranstaltung zum Kultur- und Eventprojekt
So entstanden in den vergangenen Jahren Veranstaltungen, die auf den ersten Blick ganz unterschiedlich aussehen.
Das Rockfestival Wattens bringt Rockmusik mitten auf den Kirchplatz.
Und mit Viva Latina entstand schließlich ein Projekt, in dem vieles zusammenkommt, was uns über all diese Jahre begleitet hat: Musik, Tanz, internationale Kultur, Gastronomie, Künstler, Workshops und vor allem sehr viele Menschen.
Was früher mit Tanzkursen, Shows und ersten Veranstaltungen begann, hat damit noch einmal eine ganz andere Dimension bekommen.
Heute organisieren wir nicht mehr ausschließlich Veranstaltungen für Tänzer.
Wir schaffen Veranstaltungen für Menschen.
Und vielleicht beschreibt genau das am besten, was in diesen fast 20 Jahren passiert ist.
Der rote Faden war nie nur Salsa
Wenn wir heute zurückblicken, wirkt unser Weg auf den ersten Blick manchmal ziemlich bunt: Tanzunterricht, Shows, Kongresse, Agenturarbeit, Theaterproduktionen, Weiterbildungen, eine Cocktailbar, niederschwellige Public Events: wie das Rockfestival und Viva Latina.
Was hat das alles miteinander zu tun? Heute würden wir sagen: erstaunlich viel.
Denn der rote Faden war vielleicht nie ausschließlich Salsa.
Es ging immer darum, Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.
Menschen zusammenzubringen.
Atmosphäre zu schaffen. Kultur erlebbar zu machen.
Und immer wieder etwas Neues zu lernen.
Tanz war der Ausgangspunkt.
Aber aus Tanzen wurde mit den Jahren sehr viel mehr.
Und irgendwann merkt man: Man ist längst angekommen
Vielleicht ist das auch eine Antwort auf die Frage aus Teil 3.
Ankommen und dazugehören sind tatsächlich nicht dasselbe.
Zugehörigkeit entsteht nicht an einem bestimmten Tag. Und vielleicht bekommt man sie auch nicht von anderen verliehen. Sie entsteht mit der Zeit.
Durch Menschen, die bleiben. Durch gemeinsame Erlebnisse. Durch Vertrauen.
Durch Dinge, die man miteinander aufbaut. Und durch die Spuren, die man hinterlässt.
Wenn wir heute durch unsere alten Fotos scrollen, sehen wir deshalb nicht nur vergangene Veranstaltungen.
Wir sehen Menschen.
Wir sehen Geschichten.
Und wir sehen mehr als 20 Jahre unseres Lebens... :-)
Fast 20 Jahre passen nicht in eine Bildergalerie.
Unzählige Kurse, Shows, Reisen, Produktionen, Veranstaltungen – und vor allem Menschen – fehlen hier. Diese Bilder sind deshalb keine vollständige Chronik. Sie sind Momentaufnahmen einer Zeit, in der aus Tanzen immer mehr wurde.





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