Wenn das Alte nicht mehr passt
- Heike Fermin Guillen

- vor 5 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Manche Veränderungen beginnen nicht laut. Sie fühlen sich eher an wie Schuhe, die plötzlich drücken. Kleidung, die einmal perfekt gepasst hat — und irgendwann nicht mehr widerspiegelt, wer man geworden ist.
Und vielleicht ist genau das Wachstum.
Nicht dieses schnelle, motivierende „höher, weiter, besser“, das uns überall begegnet.Sondern dieses stille innere Verschieben. Ein Gefühl, dass sich etwas verändert hat, noch bevor man es in Worte fassen kann.
Man merkt plötzlich: Etwas passt nicht mehr ganz.
Nicht unbedingt, weil es schlecht geworden ist. Sondern weil man selbst sich verändert hat.
Das können Gewohnheiten sein.
Arbeitsweisen.
Beziehungen.
Ziele.
Oder sogar Rollen, mit denen man sich jahrelang identifiziert hat.
Besonders als Unternehmerin kenne ich dieses Gefühl gut.
Man baut etwas mit Herz auf. Man entwickelt Routinen, Angebote, Strukturen.Man lernt, Verantwortung zu tragen und funktioniert oft über viele Jahre in einem bestimmten System.
Und irgendwann kommt dieser leise Gedanke: „Bin ich das noch?“
Nicht aus Undankbarkeit.
Nicht aus Unzufriedenheit.
Sondern weil Entwicklung passiert.
Das Schwierige daran ist: Das Alte loszulassen bedeutet nicht automatisch, dass man das Neue schon klar sehen kann.
Genau da entstehen diese „Wachstumsschmerzen“.
Dieser Zwischenraum, in dem man spürt, dass man sich verändert — aber noch nicht genau weiß, wohin die Reise führt.
Und ehrlich gesagt: Ich glaube, viele Menschen erleben genau das.
Wir wachsen aus Dingen heraus, die uns einmal Sicherheit gegeben haben.
Aus Vorstellungen darüber, wer wir sein sollten.
Aus Bildern, die irgendwann zu eng geworden sind.
Das kann Angst machen.
Denn das Bekannte gibt Halt — selbst dann, wenn es längst nicht mehr wirklich zu uns passt.
Und gleichzeitig liegt im Neuen auch etwas Lebendiges. Etwas, das neugierig macht. Etwas, das wachsen möchte.
Vielleicht ist genau das Leben: Nicht ständig jemand Neues zu werden.
Sondern immer mehr die Person, die eigentlich längst in uns steckt.
Im Tanz erlebt man etwas Ähnliches.
Man kann Bewegungen jahrelang „richtig“ machen — und irgendwann beginnt man, sie wirklich zu fühlen. Plötzlich verändert sich die Ausstrahlung.
Die Haltung.
Die Präsenz.
Nicht weil man jemand anderes geworden ist. Sondern weil man näher bei sich selbst angekommen ist.
Vielleicht dürfen wir Wachstum deshalb nicht immer als Krise sehen.
Vielleicht ist es manchmal einfach ein Zeichen dafür, dass die alte Version von uns zu klein geworden ist.
Und vielleicht müssen wir nicht sofort alle Antworten haben.
Vielleicht reicht es manchmal, ehrlich zu bemerken: „Ich glaube, ich passe da nicht mehr ganz hinein.“ Und genau dort beginnt oft etwas Neues.




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